Als ich im Januar 2000 begann mir Gedanken zu machen, wie ich am besten meinen Kellerraum als Musikstudio ausbauen kann, habe ich im Internet recherchiert.

Die Ausbeute war recht mager. Meine Hauptfrage war eigentlich die: was dämmt den Schall am besten, so das die Nachbarn nicht gestört werden.

Nachdem ich etliche Bücher zu dem Thema gelesen habe, möchte ich all den Musikern da draussen mein angesammeltes Wissen weitergeben.

Also los gehts:

a) Was dämmt am besten?

Betrachtet man das Verhältniss Dicke/Schalldämmung so kann es nur eine Antwort geben:
Eine "biegeweiche" Wand.

zur Erklärung: Eine gemauerte Wand dämmt zwar den Schall auch gut, das aber nur aufgrund der Dicke und Gewicht. So eine Aussenwand an einem Haus hat einige Zentimeter und wiegt auch nicht gerade wenig.

Da man im Normalfall einen vorhandenen Raum nicht mit einer zusätzlichen 30cm dicken, tonnenschweren Wand versehen kann, muß man eben eine biegeweiche Vorsatzschale anbringen.
Eine solche Vorsatzschale besteht entweder aus Pressholz oder (besser) Gipskartonplatten.
Die Gipskartonplatten sind biegeweich, das bedeutet, sie schwingen ab einer bestimmten Frequenz mit dem Schall.

Dies kann positiv sein - der Schall wird dadurch absorbiert, oder negativ - der Schall wird noch verstärkt. Das hängt von der Frequenz ab. Die Platten haben je nach Gewicht/Dicke/Ausführung eine bestimmte "Eigenfrequenz".

Das Optimum an Schalldämmung erreicht man, indem man vor der zu dämmende Wand ein doppeltes entkoppeltes Ständerwerk aufbaut, dieses mit Mineralfilz auskleidet und mit doppelter Gipskartonplatten-Verschalung versieht.

Häh? -> okay, der Reihe nach: die Meisten gehen so vor: sie schrauben Holzlatten an die Wand und auf die Holzlatten werden dann die Gipskartonplatten geschraubt.

Nachteil dabei: Die Schallwellen werden von der Gipskartonplatte auf die Holzlattung und von dort auf die Wand übertragen.

Daher: Ein Ständerwerk. Das bedeutet: auf dem Fußboden wird 1-2 cm vor der Wand eine Holzlatte geschraubt. (Unbedingt einen Streifen Dämmfilz zwischen Holzlatte und Fußboden!). Auf diese Holzlatte werden dann die vertikalen Holzlatten geschraubt. Damit hat dieses Untergestell keine feste Verbindung mehr mit der Wand und kann daher auch keine Schallbrücken mehr herstellen. Zwischen die vertikalen Holzlatten werden Mineralfilz-Platten geklemmt und dann die erste Schicht Gipskartonplatten aufgeschraubt. Danach wird eine zweite Schicht Gipskartonplatten auf die erste geschraubt. Das ist dann die "doppelte Gipskartonplatten-Verschalung".

Warum 2 Lagen? Die Fausregel ist die: Je schwerer und je elastischer die Wand ist, umso besser. Und zwei Lagen Gipskartonplatten sind doppelt so schwer als eine Lage, trotzdem aber annähernd genauso biegeweich.

Und vor diese fertige Gipskarton-Wand kommt im Abstand von 1-2 cm nochmal genau das Gleiche.
Damit hat man dann ein "doppeltes entkoppeltes System".

Das ist der Overkill. In den allermeisten Fällen wäre das vergebliche Liebesmühe, da: es gibt ja noch Türen und Fenster...

... und die dämmen wesentlich schlechter. Was nützt eine 100%ig schalldichte Wand, wenn der ganze Lärm zu den Türen und Fenstern rausdröhnt? Richtig: nix. Also:

b) was ist sinnvoll?

Sinnvoll ist es, vor die zu dämmende Wand ein einfaches Ständerwerk zu errichten. Zwischenräume mit Mineralfilz auffüllen und (wenn es die finanziellen Mittel erlauben) doppelt mit Gipskartonplatten beplanken. Eine einzelne Schicht Gipskartonplatten dämmt aber auch schon recht gut.

Der Abstand Gipskartonplatten zu Wand wird durch zwei Kriterien bestimmt:
1.) Abstand Ständerwerk zu Wand
2.) Dicke der Holzlatten.

Grundsätzlich gilt dabei:
Je größer dieser Abstand ist, umso besser. Allerdings darauf achten, daß der Raum nicht um die Hälfte schrumpft. ;-)

c) Türen und Fenster

... sind meistens die Achillesferse an dem Ganzen. Es gibt im Handel extra schalldämmende Türen und Fenster, die kosten allerdings ein kleines Vermögen. Also?

Die Schwachstelle Tür habe ich eleminiert, indem ich einfach eine zweite doppelte Wand hochgezogen habe, in der nocheinmal zwei Türen sind. Das bedeutet: Man kommt zur Eingangstür herein und steht vor einer Wand. In dieser ist nochmal eine Tür. Wenn man die öffnet ist da nochmal eine Tür... und dann ist man endlich drin.

Bei mir ging das, da der Raum recht lang ist und es mir egal war, daß ich dadurch 1,5 m "verloren" hab.

Wenn gar nix anderes hilft:
1.) Peinlich darauf achten, daß die Türe dicht ist. Sämtliche Fugen/Spalten abdichten !!!
Lärm dringt durch die kleinsten Spalte!
2.) Türe so schwer wie möglich machen, z.B. durch anbringen von Bitumen-Matten.
Dabei aber nicht die Belastbarkeit der Scharniere außer Acht lassen...
3.) optimal: Bitumen-Matten, dann 15 cm dickes Mieralfilz draufkleben und darauf nochmal eine Sperrholzplatte.
Ob die Türe dann später nochmal so aussieht wie vorher, ist allerdings fraglich.

Die Schwachstelle Fenster habe ich bei mir eleminiert indem ich das Glasfenster durch ein "Holzfenster" ersetzt habe.
Tageslicht hat bei mir keine Rolle gespielt, also hab ich einen Rahmen eingesetzt und darauf dann eine mit Scharnieren versehene Konstruktion aus dicken, schweren Holzplatten mit Mineralfilz dazwischen.

Ansonsten gilt bei Fenstern das gliche wie bei Türen: Dicht müssen sie sein.
Bei Fenstern ist (setzen wir mal voraus, daß sie dicht sind) ausschlaggebend, wie viele wie dicke Scheiben in welchem Abstand voneinander angebracht sind. Auch hier wieder: je mehr, je dicker, je weiter voneinader weg, umso besser.

Tip: Wenn das Fenster drinbleiben soll und trotzdem kein Schall nach aussen dringen soll -> montiert um das Fenster herum an die Wand einen Rahmen aus Holz. Auf diesen dann mit Scharnieren eine dicke Spanplatte festmachen. Schön darauf achten, daß alles dicht schließt und voila... Mann kann es öffnen um Licht und Luft reinzulassen und man kann es schließen um den Schall drinnen zu lassen.

Fußboden:

Ein dicker Teppichboden bringt schon extrem viel. Noch besser sind Trittschalldämm-Matten, darauf dann Sperrholzplatten und drüber nochmal Teppichboden.

Falls ein Schlagzeug im Raum stehen soll: Unbedingt ein Podest bauen (Tipp: Euro-Paletten) und dieses gut mit Mineralfilz ausfüllen. Das bringt einiges!

Decke:

Das einzige, was wirklich was bringt ist leider recht (Arbeits-) aufwendig und kostet einige cm an Raumhöhe: Eine abgehängte Decke aus Gipskartonplatten mit Mineralfilz ausgekleidet.

Dabei werden an die Decke Aufhänger geschraubt (gibts verschiedene Systeme im Baumarkt), an diese Aufhänger dann Holzlatten und an die Holzlatten dann die Gipskartonplatten. Vorher werden noch die Mineralfilz-Platten dazwischengeklemmt.

Man kann hier aber auch zur Not einfach Holzlatten direkt an die Decke schrauben, zwischen die Latten Mineralfilz klemmen und dann Gipskartonplatten auf das Ganze schrauben. Das kostet dann nur ca. 7-8 cm Raumhöhe.

Grundsätzliches:

Gerüchte:

1.) Eierkartons dämmen nicht (!!), sondern schlucken nur Schall. Das kann sich positiv auf die Akustik im Raum auswirken, hat aber keinerlei Auswirkung auf den Schallpegel, der nach draussen dringt.

2.) Styropor hat zwar prima Dämmwirkung, was Temperaturen angeht, bringt aber Schalltechnisch herzlich wenig. Wenn Du Dich fragst, warum das so ist, lies bitte nochmals unter "Grundsätzliches" den ersten Punkt ...

Zum Schluß

Falls diese Seite Dir ein bißchen weiterhelfen konnte, dann würde mich das freuen. Dazu ist sie nämlich gedacht.
Falls ich was geschrieben hab, das nicht stimmt: bitte nicht lange meckern, sondern einfach kurze Info, okay?
Ich bin schließlich kein Architekt.

Anregungen, Kritik, Lob bitte an: oli@scheit.de

Hier gibts übrigens eine Seite, auf der man eine Vorstellung davon erhält, wie das mit so Gipskartonplatten so in der Praxis funktioniert. Ist zwar anhand einer Trennwand gezeigt, aber das Prinzip ist das gleiche. Ob die Wand jetzt vor eine andere Wand kommt, oder mitten im Raum steht, ist ja ziemlich egal.

Aufgrund der doch immer wiederkehrenden Anfragen:
leider weiß ich nicht mehr, welche Bücher ich damals alle studiert habe.
Die meisten waren sehr teure Spezialliteratur für Architekten, usw.

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